Dojokun

Karate-Do no Gitsu – Die Essenz des Karate-Do

Im Karate-dojo gibt es Schulregeln, die im japanischen als „dojokun“ bezeichnet werden. Dojokun sind als Leitgedanken zu verstehen und fundamentaler Bestandteil des Trainings. Unsere dojokun an der Frontseite (shomen) des Dojo sind in japanischer Kalligraphie von Chimie Nakagawa geschrieben.

 Karate-Do ist meine Übung auf dem Weg

Als Schüler-in des Shudokan-Ryu Karate-Do lebe und erforsche ich diesen Weg der alltäglichen Übung wachsam und neugierig, um meine körperlichen, geistigen und seelischen Möglichkeiten zu entfalten, sie sorgsam zu pflegen und ihren harmonischen Einklang zu fördern. Dabei sollen mich leiten und erfüllen:

                • Achtung vor dem, was ich selbst bin
                • Erfurcht vor allem Leben
                • Liebe und Vergebung
                • Dienen und Teilen
                • Demut und Geduld

Ich lebe und handele im Geist des Friedens

Das Wissen und Können, das ich mir während des Studiums des Karate-Do aneigne, verspreche ich nicht für eigennützige Zwecke zu mißbrauchen.

Ich verzichte auf Gewalt! Nur im äußersten Notfall setze ich Karate zum Schutz von Hilfsbedürftigen oder zur Selbstverteidigung ein.

Ich kämpfe nicht mehr gegen … , ich setze mich mutig auseinander mit … und setze mich entschieden ein für …!

Freiheit und Frieden erwach(s)en aus meinem Mut zur Wahrheit

Mein Mut zur wahrhaftigen und hinnehmenden Achtsamkeit im nur-Hier-und-Jetzt, befreit mich von meiner Ich-Verhaftung und öffnet mir Herz und Geist für das leere GewahrSein, – für mein Wahres-Selbst.

Ein Bild zu unseren Leitgedanken:

In einer weiten Landschaft liegt ein Fluss. Er strömt von Horizont zu Horizont. Dieser Fluss entspringt einer Quelle und ergießt sich ins Meer. Auf dem Fluss schwimmen verschiedene Boote: große, kleine, offene, geschlossene, bewaffnete, friedliche, …

Zwischen den Booten springt ruhelos und angestrengt eine Person hin und her. Diese Person bleibt in keinem der Boote sehr lange – sie springt und springt.Der Fluss, der all diese Boote trägt, ist das „Wahre-Selbst“, – die Boote sind Empfindungen, Wahrnehmungen, Gefühle, Gedanken, Absichten, Ziele, Erwartungen, Verhaftungen,…Die Boote schwimmen auf dem Fluss, gehören zu ihm, sind aber nicht der Fluss. Die kleine Person ist unser „Ich“.

Die Quelle und das Meer sind „Das absolute Geheimnis“, das „Göttliche“, das das „Wahre-Selbst“ hervorbringt, trägt und in seine wesentliche Dynamik bringt.

Immerzu fährt unser „Ich“ in einem der Boote; es ist sehr wasserscheu und hat Angst davor, ertrinken zu müssen, wenn es die vertrauten Boote verlässt und in den Fluss springt.

„Öffnen von Herz und Geist für das LEERE GewahrSein, – für mein Wahres-Selbst“ heißt:

Aussteigen aus dem vermeintlich sicheren Boot, in den Fluss springen und sich dem Fluss überlassen, fließen als der Fluss, der man immer schon war, nur-Hier-und-Jetzt ist, immer sein wird.

– Von der Quelle zum Meer.